Erste Erfahrungen mit Erosionsschutzmaßnahmen in Nemmersdorf

Auswertung bisher erfolgter freiwilliger Maßnahmen von Seiten der Landwirtschaft

Projekt: Bad Berneck - Bindlach - Goldkronach

© Dr. Michael Link

Nachdem bereits im vergangenen Jahr über massive Oberbodenabträge nördlich von Nemmersdorf (OT von Goldkronach) berichtet und Überlegungen für Sofortmaßnahmen zur Abhilfe des Bodenabtrags vom Elbersacker in angrenzende Bereiche angestellt wurden https://www.boden-staendig.eu/nachrichten/gruenland-und-gruenstreifen-fuer-besseren-erosionsschutz, sollen im Folgenden erste Erfahrungen mit freiwilligen Erosionsschutzmaßnahmen von Seiten der Landwirtschaft im boden:ständig-Projektgebiet „Bad Berneck – Bindlach – Goldkronach“ dargelegt werden.

Erfahrungen:

Elbersacker
Die beigefügte Maßnahmenkarte zeigt, dass vom betreffenden Landwirt ausgehend vom Hangfuss bis zur Hangmitte des Elbersackers ein ca. 70 m breiter Streifen Ackerland in Grünland umgewandelt wurde (siehe auch beigefügtes Bild, welches die jetzige Grenze zwischen Acker- u. Grünland zeigt). Hierdurch wird erreicht, dass es nur noch auf der Fläche des Elbersackers zu Bodenumlagerungen kommt (sog. On-Site-Effekte, siehe beigefügte Abbildung). Der flächenintern umgelagerte Boden sedimentiert am Hangfuss. Es tritt im Wesentlichen nur noch sedimentfreies Wasser aus dem Acker aus.
Gemäß der beigefügten Karte, weist der Elbersacker eine hohe bis sehr hohe Erosionsgefährdung auf. Große Flächenanteile bis ca. zur 500-m-Höhenlinie und darüber hinaus sind mit einem mittleren jährlichen Bodenabtrag von > 10 t/ha sehr starker flächenhafter Wassererosion ausgesetzt. Sinnvoll wäre es, einen an diese Karte angelehnten, der Oberflächenkontur folgenden Schutzstreifen, möglichst dauerhaft, einzuziehen.
Durch eine Konturführung deines Schutzstreifens würde jedoch die Bearbeitbarkeit der Ackerfläche signifikant herabgesetzt. Einen gangbaren Kompromiss stellt die Einrichtung eines nach KULAP förderbaren Schutzstreifens im Bereich der Hangschulter dar. Die Ausgestaltung des Streifens sollte auf die Breite der dort eingesetzten Maschinen abgestimmt werden. Eine Orientierung für die ungefähre Lage bietet die beigefügte Maßnahmenkarte.

Ackerfläche westlich der Kühleithen
Südöstlich des Elbersackers erstreckt sich ein sehr stark erosionsgefährdeter Acker, welcher fast auf der gesamten Fläche mittlere jährliche Bodenabträge in Höhe von > 10 t/ha aufweist. Aufgrund von negativen Erfahrungen, hat sich der Bewirtschafter auf Anregung der über boden:ständig durchgeführten Beratung im Frühsommer 2020 dazu entschlossen, von sich aus Erosionsschutzstreifen einzuziehen.
Nachdem die im Herbst 2019 ausgebrachte Wintergerste im Frühjahr 2020 starke Frostschäden aufwies, hatte sich der Bewirtschafter (viehhaltender Betreib) dazu entschlossen, diese als Ganzpflanzensilage (GPS) zu nutzen. Der Acker wurde nach dem Grünschnitt gepflügt (siehe beigefügte Abbildung). Ursprünglich war geplant, nicht gepflügte Streifen zwischen den bearbeiteten Flächen stehen zu lassen.
Der Landwirt hat sich dann jedoch umentschieden und zusammen mit der Maisaussaat zwei noch mit Gerstenstoppeln bestandene Streifen am Ober- sowie Mittelhang des Ackerschlages bearbeitet und mit einer Zwischenfruchtsaatmischung eingesät. Leider entwickelte sich die Streifensaat aufgrund von Wassermangel nicht so wie gewünscht. Durch anschließende, stärkere Niederschläge und auch ausgelöst durch einen Oberflächenwasser-Überschuss an der nordöstlichen Ecke des Ackerschlages (das Oberflächenwasser strömt dort ungeregelt von einem hangabwärts verlaufenden Asphaltweg ein), kam es zu geländebedingten Erosionserscheinungen in Form von Runsen- sowie beginnender Grabenerosion.
Wie auf der beigefügten Abbildung von Ende August diesen Jahres zu sehen ist, konnte die Streifensaat auch bis dahin keinen Bestandesschluss erreichen. Deutlich zu erkennen sind die Erosionsschäden im Maisbestand.
Aufgrund der sehr ausgeprägten Erosionsanfälligkeit des Ackerschlages, welche neben der starken Hangneigung auch auf die Hanglänge von > 300 m zurückzuführen ist, wird die Anlage von vier mehrjährigen KULAP-Erosionsschutzstreifen in der auf der beigefügten Karte eingezeichneten Lage empfohlen. Als eine zielführendere Maßnahme, wäre die Unterteilung der Hangfläche durch dauerhaften Einbau von Schutzstreifen oder die Ansaat mehrerer Kulturarten im räumlichen Wechsel zu empfehlen.
Im Herbst diesen Jahres wurde die Fläche mit Grünroggen zur GPS-Nutzung im kommenden Frühjahr eingesät. Da es sich bei dem Landnutzer um einen viehhaltenden Betrieb handelt, wäre auch noch zu überlegen, ob auf dieser speziellen Ackerfläche besser mehrjährige Futterpflanzen (z. B. Kleegras od. Luzerne) angebaut werden sollten.
Eine Umnutzung der Ackerfläche in Grünland würde die Bodenerosion zwar minimieren, da jedoch bei einer Höhenlage von um 500 m über NN ackerfähige Flächen immer knapper werden, ist die Chance, dies in den Anbauplan des Betriebes einzubinden sehr gering.

Vorbereitung / Planung:

Die Maßnahmenplanung zur Verbesserung des Abflussgeschehens sowie zur Verminderung der Bodenerosion nördlich und östlich von Nemmersdorf ist in eine entscheidende Phase getreten. Für den Bereich „Nemmersdorf Ost“ liegt bereits ein erster Entwurf vor, auf dessen Basis in Kürze ein Förderantrag der Stadt Goldkronach an das ALE Oberfranken in Bamberg gerichtet werden soll. Die Maßnahmenplanungen im Areal „Nemmersdorf Nord“ sind ebenfalls weit fortgeschritten. Hier gilt es jedoch noch, diese mit weiteren kommunalen Maßnahmen zur Regenwasserableitung zu koordinieren.

19.10.2020

Regierungsbezirk: Oberfranken