Erosion verhindern, Bodenleben fördern

Strategien zum Erhalt der Bodenfruchtbarkeit, demonstriert an einem besonderen Boden

Projekt: Oberkotzau

Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Praxisdialog. Neben Landwirten nahmen auch der Bürgermeister (ganz links) und mehrere Stadträte teil.
© Robert Vandré

Auf Einladung der Gemeinde Oberkotzau nahmen über 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an einem Praxisdialog im Rahmen des boden:ständig-Projektes zum Thema Bodenfruchtbarkeit und Pflanzenbau teil. Anhand eines Bodenprofils demonstrierte Hans Koch an einem Maisschlag verschiedene bodenkundliche Effekte, die die Fruchtbarkeit und die Wasserinfiltration beeinflussen.

Erfahrungen:

Zur Vorbereitung hatte der Landwirt, der die Fläche bewirtschaftet, in einer Abflussmulde ein 1,5 m tiefes Bodenprofil ausgehoben. In dem hängigen Gelände immer wieder auftretende Bodenabschwemmungen haben in der Mulde, in der erodierter Boden abgelagert wurde, zu einem tiefgründig humosen Boden geführt, einem sogenannten Kolluvisol. Das fruchtbare Substrat, das sich hier angesammelt hat, fehlt auf den Hängen, von denen es stammt.
In diesem besonders tiefgründigen Profil zeigte sich, wie tief und intensiv gerade der Mais den Boden durchwurzeln kann. Während das Getreide nun abreift, kann der Mais Ende Juli noch Nährstoffe aufnehmen und Nitratausträge verhindern. Die Herausforderung besteht darin, in der Reihenkultur eine durchgehend gute Bodenstruktur und Bodenbedeckung zu haben, um Erosion zu verhindern. Dies kann einerseits mit Zwischenfrüchten und andererseits mit Kalkgaben, die eine gute Bodenstruktur fördern, gelingen. Auch eine gezielte schonende Bodenbearbeitung kann die Nährstoffumsetzung anregen und die Wasserinfiltration verbessern.
Im Profil sind Regenwurmgänge bis weit über 1m Tiefe zu finden. Oft sind sie mit Humus angereichert. Regenwasser infiltriert durch diese Poren in den Unterboden, und die Wurzeln folgen diesen Röhren. Koch betonte, dass das Bodenleben entscheidend für die Fruchtbarkeit und den Erosionsschutz ist. Für das Bodenleben muss am besten ständig Nahrung zur Verfügung stehen. Die Felder sollten also möglichst immer grün oder zumindest mit Streu bedeckt sein. Dies verhindert auch eine zu starke Erhitzung und Austrocknung der Bodenoberfläche, ein Problem, dass durch den Klimawandel zunimmt.
Wegen der starken Neigung haben die Niederschläge auch in diesem Schlag zu Erosionsrinnen geführt. Der Landwirt hat auf Eigeninitiative als Puffer einen Grasstreifen am Feldrand angesät. Die Wirkung ist deutlich zu sehen: Der erodierte Boden hat zunächst die randliche Pflugfurche aufgefüllt und ist dann in den Pufferstreifen eingetragen worden. Hier hat sich der Wasserfluss durch Versickerung verlangsamt und der Boden hat sich abgelagert.
Die Teilnehmer diskutierten pflanzenbauliche Möglichkeiten und Strategien zur Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit und Ertragssicherheit vor dem Hintergrund von Trockenheit einerseits und Starkregen andererseits.

07.08.2020

Regierungsbezirk: Oberfranken