neue Wege im Maisanbau - Zukunftsthema Bodenerosion

Versuchsbesichtigung auf dem Demonstrationsbetrieb Josef Linner

Projekt: Pelhamer See

zahlreiche Teilnehmer bei der Versuchsbesichtigung im September unter Einhaltung der Corona - Regelungen
© AELF Rosenheim

Wie lässt sich der Erosionsschutz verbessern ohne dabei Erträge zu beeinträchtigen? Auf der Suche nach praxistauglichen Systemen werden Standardverfahren wie die Bodenbearbeitung mit dem Pflug überdacht und Alternativen ausprobiert. Auf den Versuchsflächen von Josef Linner wurde nun ein Verfahren der konservierenden Bodenbearbeitung aus der Oberpfalz, das nach Josef Hägler benannte Hägler-Verfahren, in verschiedenen Varianten angewendet und auch mit der Pflugvariante verglichen.
Im Herbst diesen Jahres wurden ca.80 interessierten Teilnehmern die Ergebnisse der Versuche von Pflanzenbauberater Felix Forster und Wasserberater Michael Kirchstetter unter Einhaltung der Corona Vorschriften vorgestellt.

Erfahrungen:

Neben der Parzelle mit dem Pflug-Verfahren wurden dieses Jahr auf der Maisfläche von Josef Linner fünf verschiedene Parzellen angelegt (Abbildung). Auf vier davon wurde das Hägler-Verfahren angewendet, benannt nach Landwirt Josef Hägler (Lkr. Schwandorf, OPf.), der das verwendete Verfahren entwickelte. Auf einer Parzelle wurde vor dem Pflügen zusätzlich gefräst. Von den vier konservierenden Hägler-Parzellen wurde eine Parzelle mit chemischem und drei mit mechanischem Pflanzenschutz behandelt. Diese drei unterschieden sich wiederum in der Düngemenge.

Bei der nicht wendenden Bodenbearbeitung in Parzelle 3 war bei gleicher Düngung und gleichem Pflanzenschutz ein etwas schlechterer Mais, jedoch kein sichtbarer Bodenabtrag zu erkennen. Um den Boden besser zu beurteilen wurden bei der ersten und dritten Parzelle Bodenprofile ausgehoben.
Im Profil der Hägler-Variante war die obere Bodenschicht im Vergleich zur Pflugvariante gleichmäßiger durchwurzelt, weniger verdichtet und wies eine höhere Regenwurmaktivität auf. Die Gewässerschutzberater betonten in diesem Zusammenhang die stabilisierende Wirkung eines aktiven Bodenlebens auf das Bodengefüge. Bei mehrjähriger Anwendung des Verfahrens wird daher eine langfristige Aufwertung des Bodens und dessen Bodenfruchtbarkeit erwartet.
Eine genauere Beschreibung des Hägler-Verfahrens und detaillierte Erkenntnisse des Versuchs können im Bericht des AELF Rosenheim im Download Bereich "Informationsreihe "boden:ständig Pelhamer See" - Teil 6 " nachgelesen werden. Ein Porträt über Josef Hägler, dem Erfinder des „Hägler – Verfahrens“ finden Sie unter https://www.bodenstaendig.eu/nachrichten/der-erfinder.

Anlass / Problemstellung:

Landwirtschaftliche Flächen, insbesondere Flächen, die stark drainiert oder aufgrund der geologischen Situation schwach wasserdurchlässig sind, können auch bei optimaler Bewirtschaftung nicht verlustfrei bewirtschaftet werden. Zu hohe Nährstoffeinträge bzw. -konzentrationen, können die Ökosysteme in Oberflächengewässern überlasten. Insbesondere Phosphor ist dabei ein entscheidender Nährstoff.
Die Einträge in den Pelhamer See konnten in den vergangenen Jahren durch Verbesserungen der Abwasseraufbereitung deutlich verringert werden. Nun gelangt der Phosphor überwiegend durch Einschwemmungen von Erosionsmaterial aus Ackerflächen, Oberflächenabflüssen aus Grünland und über Drainageabflüsse ins Gewässer.

Die 3 Seeanliegergemeinden Bad Endorf, Eggstätt und Höswlang sowie die Landwirte im Einzugsgebiet sind sich der Verantwortung bewusst. Gemeinsam arbeiten sie in der Teilnehmergemeinschaft Pelhamer See eng zusammen und bemühen sich, die Nährstoffeinträge in den Zuläufen zu vermindern. Hierbei werden sie vom Amt für Ländliche Entwicklung, dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Rosenheim sowie dem Fachzentrum Agrarökologie in Pfaffenhofen unterstützt. Auf den Demobetrieben für Gewässerschutz werden bereits seit 5 Jahren Feldversuche angelegt, die interessierten Landwirtinnen und Landwirten sowie der Öffentlichkeit neue Bewirtschaftungsmethoden und Erfahrungen vermitteln. Anfang September wurden die diesjährigen Versuche auf der Fläche von Josef Linner, Demobetrieb Gewässerschutz, vorgestellt.

Kontakt:

Die beschilderte Versuchsfläche in Pelham kann auch weiterhin ständig begutachtet werden.
Auch Nicht-Landwirte sind dazu herzlich eingeladen und könnten es mit einem Sparziergang verbinden.

Standort: Pelham / Gemeinde Bad Endorf / Landkreis Rosenheim

Der Standort der Versuchsfläche ist auf dem Lageplan eingezeichnet.