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  • Einblicke, Informationen und angeregter Austausch beim boden:ständig-Forum Oberfranken

    • Erstellungsdatum: 03.12.2018

Kloster Banz. Spannende Referenten, unkonventionelle Projekte und begeisterte Landwirte: Das Forum boden:ständig in Banz machte es den vielen Besuchern leicht, das Konzept der Initiative zu verstehen: Miteinander geht etwas! Schon seit einigen Jahren sind die Teams von boden:ständig, einer Initiative des Landwirtschaftsministeriums mit den Ämtern für Ländliche Entwicklung, in ganz Bayern aktiv. Vor Ort, gemeinsam mit den Menschen, werden neue Projekte entwickelt, um Erosionen zu verhindern, die Böden rückhaltefähiger zu machen und die Wasserqualität zu verbessern. Wichtig ist dabei die Gemeinschaft, denn nur mit den Grundeigentümern und -bewirtschaftern, den Leuten vor Ort und den Kommunen gibt es optimale Ergebnisse. Gerade die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie wichtig dieses Engagement ist. Wetterextreme häufen sich, die Landwirtschaft muss sich gegen Starkregen genauso wappnen wie gegen anhaltende Trockenheit. Gut, wenn die Bodenfruchtbarkeit stimmt und die Felder viel Wasser speichern können.

boden:ständig in Oberfranken - Landwirte, Bürger und Kommunen packen es gemeinsam an

Der Amtsleiter des gastgebenden Amtes für Ländliche Entwicklung Oberfranken, Anton Hepple brachte es auf den Punkt: „Es geht bei boden:ständig um unsere Lebensgrundlagen! Es geht um unsere Böden und die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit, also um die Existenzgrundlage unserer Landwirte und unsere Ernährungssicherheit.“
Was alles auf dem Spiel steht, verdeutlichten die Referenten Prof. Dr. Karl Auerswald von der Technischen Universität in Weihenstephan und Robert Brandhuber von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft. Unterstützt von Moderator Norbert Bäuml von der Verwaltung für Ländliche Entwicklung lieferten sie einen spannenden Abriss der Fehler der Vergangenheit und der großen Chancen, die sich für die Zukunft auftun. Dabei hielten sich die Experten bewusst fern von Klischees, die in der Gesellschaft weit verbreitet sind. Prof. Auerswald: „Nicht der Mais oder das Klima sind schuld, wenn Siedlungen überflutet und der Boden weggeschwemmt wird. Wir Menschen sind schuld. Wir haben aber das Wissen und die Technik, um klüger als in der Vergangenheit zu handeln.“ Brandhuber betonte: „Es muss mehr Mulchmaterial an der Bodenoberfläche verbleiben.“ Eine Erhöhung der Humusbildung, regelmäßige Kalkung, eine intelligente Flureinteilung und das Vermeiden schwerer Geräte zur Schonung der Bodenstruktur nannte er als weitere wichtige Aspekte. Und Auerswald hatte ein sehr einfaches Patentrezept gegen Überschwemmungen in Siedlungen, das selten gern gehört wird: „Keine Baugebiete dort ausweisen, wo Überschwemmungsgefahren bestehen.“
Was früher überlebenswichtig für die Menschen war, muss heute neu überdacht werden. Die vielerorts drainierten Wiesen, die sogar als Ackerland umgebrochen wurden, haben nach dem Krieg die Ernährung sichergestellt. Heute sorgen sie mit dafür, dass Wasser nicht in der Fläche bleibt, sondern immer schneller wegfließt. Ein schwieriges Problem, für das die Experten keine Patentrezepte lieferten: „Beides ist also wichtig: Flächenbewirtschaftung und die Funktion der Landschaft. Daher sind auch viele Karten zu spielen.“ Boden:ständig sei jedenfalls auf einem sehr richtigen Weg.
Nach so viel anschaulicher Theorie kamen die Praktiker zu Wort: Die Bühne war voll, als der Projektkoordinator des Amtes für Ländliche Entwicklung Oberfranken, Daniel Spaderna, die Beteiligten von boden:ständig Seßlach heraufholte. Bürgermeister Martin Mittag, vor kurzem in den Bayerischen Landtag gewählt, Wasserberaterin Gesche Petersen vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und Projektleiter Franz Knogler von der BBV-Landsiedlung waren umringt von aktiven Landwirten, die gerne davon erzählten, was sie an boden:ständig begeistert. Die meisten setzten sich schon für Boden- und Gewässerschutz ein, bevor der Knogler Franz das erste Mal auf ihre Höfe fuhr. Doch nun, in Zusammenarbeit mit der Kommune, mit Landschaftsplanern und anderen Experten, wurde aus kleinen Aktionen ein großes, funktionierendes Konzept mit Maßnahmen an wichtigen Punkten, das noch weiterwachsen kann, wie Rainer Albart vom Amt für Ländliche Entwicklung erklärte. Interessierte Grundbesitzer können sich mit einbringen.
Noch am Anfang steht das künftige boden:ständig-Projektgebiet Ködnitz, Landkreis Kulmbach. Bürgermeister Stephan Heckel-Michel und die Landwirte Klaus Hanisch, Herbert Jahreis und Gerhard Sack konnten trotzdem darstellen, warum sie auf die Initiative „boden:ständig“ setzen wollen. Starkregenereignisse führen häufig zu Überflutungen in der im Weißmaintal gelegenen Gemeinde Ködnitz. Aus dem von der Wasserwirtschaft erstellten Niederschlagsabflusskonzept wurde die Notwendigkeit zur Errichtung von vergleichsweise riesigen Rückhaltungen errechnet. Bürgermeister Heckel-Michel möchte jedoch zusätzlich auf kleinere, dezentrale Maßnahmen im Rahmen von „boden:ständig“ setzen. Die Landwirte ziehen mit und wollen unter anderem durch Verbesserung des Wasserspeichervermögens auf den landwirtschaftlich genutzten Flächen ihren Beitrag leisten – entsprechend dem Motto von boden:ständig „Das Machbare jetzt tun!“

Einen Blick über den oberfränkischen Tellerrand hinaus boten drei Landwirte aus dem Landkreis Kehlheim zusammen mit Felix Schmitt, der für den dortigen Landschaftspflegeverband die boden:ständig-Projekte in der Region betreut. Die Akteure schilderten ihre Erfahrungen und etliche kleine Erfolgsgeschichten, wie die unkomplizierte Errichtung einer kleinen Rückhaltung in einer bereits vorhandenen Geländemulde am Ortsrand, die Anlage eines begrünten Abflussstreifens mit integrierten kleinen Bodenwellen oder die Erhöhung eines Flurweges, die im Ernstfall zum Einstau von Niederschlagswasser auf landwirtschaftlicher Fläche führt. Alle waren sich einig, dass mit der Initiative boden:ständig viele Probleme, die es schon lange gab, endlich angegangen werden konnten.

Nach den höchst interessanten Vorträgen nutzten die Teilnehmer zum Abschluss gerne und ausgiebig die Möglichkeit, die auf einem „Marktplatz“ präsentierten Projekte und Maßnahmen kennen zu lernen. Dabei kam der Austausch mit und zwischen den Akteuren nicht zu kurz.