boden:ständige Kompensation: Hilfe für die Bachmuschel – eine vom Aussterben bedrohte Art

Projekt: Loh

Uferaufweitung am Mooshamer Graben
© ALE Oberbayern

Bei den Kompensationsmaßnahmen für den Wegebau im Verfahren und boden:ständig – Projektgebiet Loh wurde ein besonderer Schwerpunkt auf den Wasser- und Stoffrückhalt gelegt, um Nährstoffeinträge in den Rainbach und die Goldach zu verringern.
Der Rainbach ist ein besonderer Bach für den Landkreis Mühldorf, denn hier kommt eine selten gewordene Art vor – die Bachmuschel. Über die Flurneuordnung konnten Flächen an den Rainbach gelegt werden. Der Markt Haag setze daraufhin auf diesen Flächen, in enger Betreuung durch die Muschelkoordinierungsstelle der TU München, Gewässerentwicklungsmaßnahmen um.
Damit sich der Bestand gut entwickelt benötigt die Bachmuschel relativ saubere Gewässer und reagiert sensibel auf Nährstoffeinträge. Diese gelangen aus dem Einzugsgebiet über die Zuflüsse in den Rainbach. Um der Bachmuschel zu helfen, wurden im Projektegebiet ingenieurökologische Maßnahmen zum Stoffrückhalt an den Zuflüssen umgesetzt und dieses Jahr fertiggestellt.

Anlass / Problemstellung:

Im Projektgebiet verlaufen zwei Zuflüsse zum Rainbach. Der Mooshamer Graben im Westen und ein namenloser Graben südlich des Weilers Loh, der östlich des Projektgebietes in den Rainbach mündet. Besonders nach starken Niederschlägen werden über diese Gewässer an Partikel gebundene, sowie gelöste Nährstoffe aus Acker- und Wiesenflächen in den Rainbach transportiert.
Ein kurzer Abschnitt der Goldach verläuft, teilweise verrohrt, im Norden des Projektgebietes. Auch dieser Bereich ist von Abschwemmungen aus angrenzenden Flächen betroffen.

Vorbereitung / Planung:

Zuflüsse Rainbach
Maßnahmen zur Strukturverbesserung und zum Wasserrückhalt am „Mooshamer Graben“:
Der Mooshamer Graben war bisher in seinem Bachbett stark eingeengt (Abbildung 1). Jetzt hat er wieder mehr Platz bekommen und kann sich eigendynamisch entwickeln. Durch drei Uferaufweitungen mit Verkrautungsbereichen wurden die Selbstreinigungskraft, die Gewässerstruktur und das Rückhaltevermögen des Grabens verbessert (Abbildungen 2 und 3). Auf einer Fläche von 4500 m² konnte intensives Grünland extensiviert werden. Durch die Ansaat von autochthonem Saatgut kann sich hier eine artenreiche Feuchtfläche entwickeln.
Die genaue Planung kann dem Plan „ökologische Ausgleichsmaßnahme – Mooshamer Graben“ entnommen werden.

Sicker- und Absetzmulden am „Graben südlich von Loh“:
Südlich des Weilers Loh verläuft in einem Muldenzug ein teilweise verrohrter Graben, der östlich der Bundesstraße B15 in den Rainbach mündet. Bei starken Regenereignissen können aus den angrenzenden Grünland- und Ackerflächen Erosionsmaterial und Nährstoffe in den Graben eingeschwemmt werden.
Über die Bodenordnung konnten Pufferflächen an den Graben gelegt werden. Auf diesen Flächen wurden Versickerungs- und Absetzmulden gestaltet. Bisher wurden Oberflächenabflüsse aus dem Einzugsgebiet und damit auch Nährstoffe über den Graben in den Rainbach transportiert (Abbildung 4 und 5). Dieser Transportweg wurde nun durch Geländemodellierungen unterbrochen. Größere Abflüsse werden aus dem Graben in die Sicker- und Absetzmulden geleitet (Abbildung 6). Das Wasser kann dort versickern, und Nährstoffe werden im Boden fixiert. Auch Bodenabschwemmungen aus den angrenzenden Äckern können sich in den Mulden absetzen oder werden durch den Pflanzenbewuchs ausgekämmt. Zwischen den Mulden kann sich durch die Ansaat mit autochthonem Saatgut auf einer Fläche von 4200 m² eine artenreiche Feuchtfläche entwickeln.
Die genaue Planung kann dem Plan „ökologische Ausgleichsmaßnahme – Graben südlich von Loh“ entnommen werden.

Goldach:
Sicker- und Absetzstrecke und Entwicklung eines Feuchtwaldes:
Die Goldach, ein Zufluss der Isen ist entsprechend der Bewertung nach Wasserrahmenrichtlinie in einem schlechten ökologischen Zustand. In das Projektgebiet fällt ein kurzer Abschnitt des Oberlaufs, der teilweise verrohrt ist. In dem Muldenzug oberhalb der Verrohrung sammelt sich Oberflächenwasser aus den angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen und wird am Ende der Verrohrung in die Goldach transportiert (Abbildung 7). Um die im Oberflächenwasser mitgeführten Stoffe (Boden, Nährstoffe) besser zurückzuhalten wurde in dem Muldenzug eine begrünte Sicker- und Filterstrecke mit Absetzbecken angelegt (Abbildung 8). Über einen Überlauf wird das Wasser in ein angrenzendes Waldstück geleitet (Abbildung 9). Dies fördert die Etablierung eines standorttypischen Feuchtwalds. Am Waldrand wurde eine Strauchschicht mit heimischen Gehölzen angelegt, Fichtenbestände wurden durch Pflegemaßnahmen entfernt, um den alten Erlenbestand bei seiner natürlichen Entwicklung zu unterstützen.
Die genaue Planung kann dem Plan „ökologische Ausgleichsmaßnahme – Entwicklung Feuchtwald“ entnommen werden.

Umsetzung / Organisation:

Amt und Verband für Ländliche Entwicklung Oberbayern