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  • Boden- und Gewässerschutz sowie Flurwegebau in der Praxis

    Teilnehmergemeinschaften aus der Gemeinde Emtmannsberg besichtigen "boden:ständig"-Projekt in Hagenohe

    • Erstellungsdatum: 27.07.2018
Informieren am praktischen Beispiel: Das Kennenlernen von Maßnahmen zur Minderung der Überschwemmungsgefahr und des Bodenabtrags aus Ackerflächen sowie ein Vergleich von unterschiedlichen Wegebautypen für Flurwege waren die Ziele, die die Vorstandsmitglieder aus den Flurneuordnungsverfahren der Gemeinde Emtmannsberg auf einer Exkursion verfolgten. Die Fahrt ging gar nicht so weit. In Hagenohe (Stadt Auerbach) und Zips (Stadt Pegnitz) gab es dazu einiges zu sehen.

Die Minderung der Überschwemmungsgefahr und der Bodenerosion sind wichtige Ziele bei den Flurneuordnungsverfahren, die in der Gemeinde Emtmannsberg angelaufen sind. In Birk, Troschenreuth, Emtmannsberg-Schamelsberg sowie Unter- und Oberölschnitz haben sich Landwirte und Bürger bereits in den vergangenen Jahren nach mehreren Starkregenereignissen viele Gedanken gemacht, wie den daraus resultierenden Problemen begegnet werden kann. Aber wie es oft so ist: Manche Maßnahmen muss man erst in der Realität gesehen haben, um sich Ausführung und Effekt vorstellen zu können. Deshalb lud das Amt für Ländliche Entwicklung Oberfranken die Vorstandsmitglieder der vier Emtmannsberger Teilnehmergemeinschaften kurz hinter die oberfränkische Grenze nach Hagenohe in die Oberpfalz ein. Dort läuft – wie auch in Emtmannsberg – ein Projekt der Initiative „boden:ständig“, in dem der Schutz vor Bodenerosion und vor Überschwemmungen im Vordergrund steht.

Wie Wolfgang Fetsch vom Büro Fetsch-Landschaftsarchitekten und Hagenoher Landwirte den interessierten Zuhörern erläuterten, ist die Ortslage von Hagenohe am Ende eines Talkessels das große Problem. Konnte der Boden an den Hängen und im Tal oberhalb der Ortschaft das Niederschlagswasser nach größeren Regenereignissen nicht mehr aufnehmen, rauschte das Wasser durch den Ort. In Kellern, Straßen und Gärten hieß es dann „Land unter“. Die Hagenoher waren sich einig: So kann es nicht weitergehen, es muss etwas passieren. Wie in Emtmannsberg hat man sich Gedanken zu mehr Wasserrückhaltemöglichkeit auf und in der Fläche gemacht. Mit Hilfe der Konzepterstellung im Rahmen der Initiative „boden:ständig“ kam man zum Ergebnis, dass viele Maßnahmen nur im Rahmen einer Flurneuordnung umsetzbar sind.

In Hagenohe ist man nur schon etwas weiter als in Emtmannsberg. Hier ist die Flurneuordnung bereits rund zwei Jahre früher angelaufen, so dass bereits einige der geplanten Maßnahmen umgesetzt werden konnten. Die Hagenoher setzen dabei vor allem auf die Erhöhung von Wegtrassen und die Schaffung von kleinen Geländeerhebungen. Hinter diesen Barrieren kann sich dann das Wasser bei großen Niederschlagsereignissen sammeln und gedrosselt wieder ablaufen. Der Abfluss wird dabei durch Mönche gesteuert. Der große Vorteil ist, dass es sich um keine großen Bauwerke handelt, die zudem naturnah gestaltet werden können und das Landschaftsbild wenig beeinflussen. Außerdem kann sich wertvoller Ackerboden, der von den Starkregen aus den Ackerflächen mit ausgetragen wird, in diesen Rückstaubereichen absetzen und wieder zurück auf die Fläche verbracht werden, dorthin wo er dem Landwirt auch nutzt. Da es zu keinem dauerhaften Wassereinstau kommt, können die entstandenen Rückhalteflächen weiterhin bewirtschaftet werden. Lediglich im Falle des vorübergehenden Einstaus zu einem ungünstigen Zeitpunkt – z.B. kurz vor der Ernte - können sich größere Beeinträchtigungen der Kulturpflanzen auf diesen Flächen ergeben, was aber seit Beginn der Bauarbeiten in Hagenohe glücklicherweise noch nicht aufgetreten ist.

Außerdem werden noch viele weitere, meist kleinere Maßnahmen angegangen, wie z.B. die Minderung der Wasserabflussgeschwindigkeit in Gräben, die Gestaltung von Gräben und Drainagen sowie die Erhöhung der Wasseraufnahmefähigkeit der Böden durch pflanzenbauliche Maßnahmen.

Mit vielen interessanten Eindrücken wie boden:ständig-Maßnahmen in der Praxis aussehen können, ging es für die Exkursionsteilnehmer weiter zu ihrer letzten Station nach Zips. Dort hat im vergangenen Herbst die Neuverteilung der Flächen im Rahmen der Flurneuordnung stattgefunden. Mitglieder der Vorstandschaft der Teilnehmergemeinschaft Zips und der stellvertretende Vorsitzende Thomas Pfeuffer vom Amt für Ländliche Entwicklung Oberfranken erläuterten vor allem den Wegebau in der Flurneuordnung Zips. Die Emtmannsberger konnten intensiv nachfragen, warum Schotter-, Rasengitter- oder Kombi-Pflasterwege gebaut wurden, welche Kosten, Vor- und Nachteile der jeweilige Wegebautyp hat und wie sich die vor rund acht Jahren gebauten Wege bisher bewährt haben. Dabei wurde deutlich, dass neben den Baukosten auch die langfristigen Pflege- und Unterhaltskosten berücksichtigt werden sollten. Die Zipser gaben den Emtmannsberger aber auch mit auf den Weg, den Grad der Versiegelung durch den jeweiligen Wegebautyp, die Geländeneigung sowie Wasser- und Bodenverhältnisse in die Auswahlkriterien einfließen zu lassen.